Aktivitäten der aktuellen Förderphase

Beratung
Alle Projekte erhalten eine Berater*in, mit der*demjenigen anfallende Herausforderungen niedrigschwellig besprochen werden können. Die Berater*innen wiederum tauschen sich während der Projektlaufzeit untereinander und mit einer erfahrenen Supervisorin über den Stand der Beratungen aus.

Vernetzung
Vernetzung findet in den Projekten nicht nur vor Ort statt, sondern auch untereinander. Die Akteur*innen können von den Erfahrungen der anderen Projekte profitieren und erhalten auf Vernetzungstreffen zudem Fachinput zu relevanten Themen für ihre Arbeit.

Im Falle einer Förderung ist die Teilnahme am Vernetzungstreffen am 14. Februar 2024 von 13.00 - 18.00 Uhr verpflichtend. Das Vernetzungstreffen findet voraussichtlich in Stuttgart statt. Nähere Informationen werden den ausgewählten Projekten rechtzeitig mitgeteilt.

 

Fachveranstaltungen und Workshops

Inhaltlich fokussiert das Förderprogramm das Themenfeld Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF). Hierunter werden unterschiedliche Formen der Abwertung von konstruierten Menschengruppen zusammengefasst. Diese Abwertungsformen hängen eng miteinander zusammen und haben einen gemeinsamen Kern - eine Ideologie der Ungleichwertigkeit. Deshalb ist eine Bearbeitung der Themen aus einer intersektionalen Perspektive wünschenswert.

Es soll im Rahmen des Förderprogramms keine thematische Engführung auf einzelne GMF-Facetten oder demokratiegefährdende Tendenzen erfolgen. Stattdessen sind die Projektakteur*innen aufgefordert, anhand der lokalen Gegebenheiten zu entscheiden, welches Thema bzw. welche Themen mit welchen Methoden im Rahmen des Projektes bearbeitet werden und dies im Projektantrag schlüssig darzulegen. Es lassen sich jedoch verschiedene Themen identifizieren, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen besondere Aufmerksamkeit verdienen:

Online-Input "Das Unsichtbare Drittel erreichen - Erkenntnisse aus der Forschung für die lokale Demokratiearbeit"

Wen erreicht zivilgesellschaftliche Arbeit derzeit – und wen nicht? Die Studie „Die andere deutsche Teilung“ von More in Common aus dem Jahr 2019 gibt Aufschluss. Sie zeigt, wer wie gesellschaftlich eingebunden ist, wer wem vertraut und wem welche Themen wichtig sind. Im Online-Input am 12.10.2023 von 16 - 18 Uhr blicken wir mit Inga Gertmann von More in Common auf die Frage, warum die Einbindung des sog. Unsichtbaren Drittel so entscheidend für Demokratie und Zusammenhalt ist und welche Maßnahmen demokratiefördernde Vereine und Initiativen dafür treffen können. Inga Gertmann wird die Erkenntnisse den Teilnehmenden vorstellen und mit ihnen ihr Potential für die konkrete zivilgesellschaftliche Arbeit vor Ort diskutieren. Eine Anmeldung bis 10.10. über anmeldung@lago-bw.de ist notwendig

Online-Input "Antisemitismus. Eine Spurensuche"

Zwar ist Antisemitismus ein altes Phänomen. Aber: auch ein aktuelles. Seine Spuren sind in sämtlichen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens zu finden. Auf der Straße, im Netz, in Kunst und Kultur. Der Politikwissenschaftler Timo Büchner zeigt im Online-Input am 24.10.2023 von 12-14 Uhr u.a. am Beispiel der Musik auf, wo und in welchen Formen der Antisemitismus in Erscheinung tritt und inwiefern er mit anderen Phänomenen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (v.a. Rassismus) verknüpft wird. Anschließend gibt es Gelegenheit mit dem Referenten in den Austausch zu gehen. Eine Anmeldung bis 22.10. über anmeldung@lago-bw.de ist notwendig.

Online-Input "Unzufriedenheit und Demokratieverachtung in der Mitte der Gesellschaft und mögliche Ansätze der Bearbeitung"

Unzufriedenheit, Misstrauen und Zweifel mit und an der Demokratie wachsen. Sie verknüpfen sich mit Populismus, Verschwörungsmythen bis hin zu offen antidemokratischen Positionen und sogar der Billigung politischer Gewalt. Sie machen sich fest an Megatrends der Veränderung und den aktuellen Polykrisen – Globalisierung und Migration, Klimawandel und Energietransition, die Coronapandemie und ihre Folgen, der Krieg Russlands gegen die Ukraine gehören dazu. Während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass Proteste zunehmend von antidemokratischen Akteur*innen für deren Ziele instrumentalisiert wurden, so z.B. im Rahmen der „Querdenken“-Proteste. Im Online-Input am 24.10.2023 von 17 - 19 Uhr wird Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein hierzu sowie über die Ergebnisse der Mitte-Studie 2022/23 berichten und mit den Teilnehmenden diskutieren, welche demokratischen Formen der Bearbeitung kollektiver Unzufriedenheit sich anbieten. Eine Anmeldung bis 22.10. über anmeldung@lago-bw.de ist notwendig.

Online-Input zum Thema Antiziganismus

Antiziganismus ist seit mehr als 500 Jahren nachweisbar und führte im Nationalsozialismus zum Völkermord an Hunderttausenden von Sinti* und Roma*. Der heute in Deutschland und Europa gesellschaftlich weit verbreitete Antiziganismus manifestiert sich in Praktiken der Diskriminierung und Gewalt. Zugleich ist Wissen über Geschichte, Gegenwart und Diversität von Sinti* und Roma* kaum präsent. Der Historiker Tim Müller vom Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg führt am 06.11.2023 von 16 - 18 Uhr in einem Online-Input in die Thematik ein. Eine Anmeldung bis 03.11. über anmeldung@lago-bw.de ist notwendig.

Online-Input "Organisierter Antifeminismus in Baden-Württemberg"

Ob Männerrechtsgruppierungen, radikale Abtreibungsgegner*innen oder Akteur*innen, die gegen sexuelle Bildung der Vielfalt mobilisieren - organisierte antifeministische Gruppierungen sind auch in Baden-Württemberg aktiv und gut vernetzt. In dem Online-Input am 21.11.2023 von 16 - 18 Uhr mit anschließender Austausch- und Diskussionsrunde widmet sich Len Schmid von der Fachstelle mobirex im Demokratiezentrum Baden-Württemberg den Fragen, was Antifeminismus ausmacht, welche antifeministischen Narrative in der Gesellschaft vertreten sind und welche Gefahren mit antifeministischer Ideologie einhergehen. Anhand der Betrachtung unterschiedlicher organisierter antifeministischer Gruppierungen in B-W sollen Überschneidungen zu extrem rechten Ideologien und zu Facetten von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sichtbar gemacht werden. Eine Anmeldung bis 20.11. über anmeldung@lago-bw.de ist notwendig.

Die Teilnahme an einer (oder mehrerer) dieser Veranstaltungen ist keine Voraussetzung für die Antragstellung. Da hier jedoch wichtige Informationen zu aktuellen Entwicklungen im Themenfeld GMF sowie zur erfolgreichen Entwicklung von Projektideen vermittelt werden, erhöht sich mit einer Teilnahme die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Antragstellung. Wichtigste Grundlage für die Entscheidung über eine Förderung sind die Förderrichtlinien. Diese finden Sie im Anhang des Projektantragsformulars.

In der aktuellen Antragsphase werden zudem drei Antragsworkshops "Von der Idee zum Projekt" angeboten. Hier erhalten Projektakteur*innen die Möglichkeit, andere Projekte sowie die Programmverantwortlichen kennenzulernen, sich auszutauschen sowie Informationen zur und Hilfestellung bei der Antragstellung zu erhalten. Die Teilnahme an den Workshops und Fachveranstaltungen ist kostenfrei, eine Anmeldung für die Workshops über das Anmeldeformular ist notwendig.

Was verstehen wir unter abwertenden Haltungen?

Menschen werden aufgrund bestimmter zugeschriebener Merkmale verschiedenen Gruppen zugeordnet. Dies geschieht in bewussten und unbewussten Denkprozessen und dient dazu, die Komplexität des Alltags zu reduzieren. Von abwertenden Haltungen sprechen wir dann, wenn Angehörige solcher konstruierten Gruppen jedoch als ungleichwertig betrachtet und deshalb ausgegrenzt und diskriminiert werden. Der Begriff der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) fasst viele Facetten solcher abwertenden Haltungen, wie z. B. Rassismus, Sexismus, Antisemitismus oder die Abwertung von Langzeitarbeitslosen zusammen.

Ein demokratisches Miteinander setzt jedoch voraus, dass alle Menschen als gleichwertige Individuen respektiert werden, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion u.v.m. GMF stellt daher eine ernst zu nehmende Gefahr für das Fundament der demokratischen Verfasstheit unserer Gesellschaft dar.